
Der Riester-Ordner liegt noch in der Schublade, im Postfach stapeln sich schon die Vormerklisten. Das Altersvorsorgedepot ist der Riester-Nachfolger, bringt bis zu 540,00 € Grundzulage im Jahr und lässt sich ab dem 1. Januar 2027 abschließen. Hier siehst du, ob es zu dir passt und worauf du vor dem Abschluss achtest.
Was ist ein Altersvorsorgedepot?
Ein Altersvorsorgedepot ist ein Vertrag mit einem Anbieter. Dein Geld wird angelegt, auch in Fonds und ETFs, und vom Staat gefördert. Es gibt keine Garantie, dafür sind die Renditechancen höher, und hochspekulative Investments sind ausgeschlossen.
Unterschied zu Riester
Das Altersvorsorgedepot ersetzt das bisherige Riester-Sparen. Riester-Neuverträge nach altem Modell sind ab 2027 nicht mehr möglich. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter, es gibt keine automatische Kündigung oder Umwandlung.
Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, gelten bestimmte alte Vorschriften bis zum Beginn der Auszahlungsphase weiter. Du kannst freiwillig wechseln. Die bisherige Förderung bleibt dann erhalten.
Seit wann gilt es, und wann kannst du abschließen?
Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Verkündet wurde es am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt, in Kraft trat es am Tag danach.
Die Reform gilt allerdings gestaffelt: Zentrale Teile greifen erst ab dem 1. Januar 2027, weitere ab dem 1. Januar 2028. Abschließen kannst du das Depot deshalb erst ab 2027. Was 2026 beworben wird, sind Vormerklisten.
Alte Riester-Verträge lassen sich nur noch bis Ende 2026 abschließen. Beim Altersvorsorgedepot gilt dagegen keine Eile: Die Förderung für das gesamte Jahr 2027 gibt es auch noch im Dezember 2027. Vormerklisten kannst du also gelassen sehen.
Bloß keine Hektik!
Ein Produkt ist erst mit Zertifizierung förderfähig, die das Bundeszentralamt für Steuern auf Antrag des Anbieters erteilt. Anfang Oktober 2026 war nach ersten Hinweisen noch kein Depot zertifiziert. Die Anbieterpreise stehen deshalb unter Vorbehalt. Wie du bei Verträgen den Überblick behältst, zeigen weitere Ratgeber im Magazin.
Wie funktioniert die Förderung?

Die Förderung hängt nur davon ab, wie viel du selbst einzahlst. Das Einkommen spielt für die Zulage künftig keine Rolle.
Zulagen im Überblick
Die Tabelle zeigt, welche Zulagen es gibt und welche Voraussetzungen gelten.
| Förderung | Höhe | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundzulage | bis 540,00 € im Jahr | 50 Cent je Euro bis 360,00 €, 25 Cent je Euro bis 1.800,00 € |
| Mindestbeitrag | 120,00 € im Jahr | 10,00 € im Monat, Grundzulage dann 60,00 € |
| Höchstbeitrag | 6.840,00 € im Jahr | Zulage steigt über 1.800,00 € nicht mehr |
| Kinderzulage | 300,00 € je Kind und Jahr | ab 300,00 € Beitrag im Jahr, Kindergeldbezug |
| Berufseinsteigerbonus | einmalig 200,00 € | Abschluss vor dem 25. Geburtstag |
| Ehepartner ohne Erwerbstätigkeit | max. 175,00 € Grundzulage | nicht erwerbstätig |
Quelle: Bundesregierung, Stiftung Warentest, Abruf 28. Oktober 2026
Zulagen und Erträge fließen zusätzlich ins Depot. Die volle Kinderzulage gibt es ab 25,00 € Sparbeitrag im Monat.
Beiträge und Steuern
Beiträge plus Zulage sind bis 1.800,00 € im Jahr als Sonderausgaben absetzbar. Das Finanzamt prüft, ob ein Steuervorteil über die Zulage hinaus besteht. Ob sich das in deinem Fall lohnt, klärt das Finanzamt.
In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Erträge und Kursgewinne an. Die Auszahlungen werden nachgelagert mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Ein ungefördertes Depot unterliegt dagegen der Abgeltungssteuer.
Das Beispiel zeigt den Höchstfall. Schon bei 120,00 € Eigenbeitrag im Jahr gibt es 60,00 € Grundzulage.
Bis 360 € legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, danach 25 Cent. Ab 1.800 € Eigenbeitrag steigt die Grundzulage nicht mehr.
50 %
Förderquote bei 360 € Eigenbeitrag
30 %
bei 1.800 € – dem Maximum
7,9 %
bei 6.840 € Höchstbeitrag
Grundzulage ohne Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus. Mindestbeitrag 120 € im Jahr ergibt 60 € Grundzulage. Stand: 28.10.2026.
Welche Produktarten gibt es und was kosten sie?

Standarddepot
Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten. Es besteht aus zwei Fonds, einem mit Aktien und einem risikoärmeren. Vor Rentenbeginn wird dein Geld automatisch umgeschichtet, eine Garantie gibt es nicht.
Die Effektivkosten sind auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt, inklusive der Kosten für Fonds und ETFs. Günstige Anbieter liegen deutlich darunter.
Freies Depot und Garantieprodukt
Der Kostendeckel gilt nur für Standarddepots. Andere Verträge mit mehr Fondsauswahl oder Garantien haben keinen Deckel. Die Verbraucherzentralen erwarten bei Premium-Modellen 1,5 bis 2,5 Prozent oder mehr – eine Einschätzung, keine Messung.
Garantieprodukte bleiben möglich, künftig mit zwei Stufen: 100 oder 80 Prozent der eingezahlten Beträge zu Beginn der Auszahlungsphase. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie Kosten wirken: Bei 1,0 Prozent Effektivkosten, 40 Jahren Laufzeit und 6 Prozent Bruttorendite fließt etwa ein Drittel der Kapitalmarkterträge in die Kosten.
Ob ein ungefördertes ETF-Depot für dich besser passt, hängt von deiner Situation ab – lass dich unabhängig beraten. Steuern, Kosten und die begrenzte Produktauswahl solltest du vorher nachrechnen.
- Kosten auf 1,0 % im Jahr gedeckelt, inklusive Fondskosten
- Automatische Umschichtung vor Rentenbeginn
- Günstige Anbieter liegen deutlich unter dem Deckel
- Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten
- Keine Garantie beim Standarddepot
- Bei 40 Jahren Laufzeit geht etwa ein Drittel der Erträge in Kosten (Rechenbeispiel)
- Kein Kostendeckel bei Premium-Modellen und Garantieprodukten
Wer ist förderberechtigt, und wie laufen Auszahlung und Wechsel?
Förderberechtigte
Förderberechtigt sind Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie Beamte, Richter und Berufssoldaten. Neu dabei sind Selbstständige und Gewerbetreibende.
Auszahlung
Du wählst zwischen einer lebenslangen Rente und einem Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr. Ein längerer Plan ist möglich.
Nach aktuellem Stand beginnt die Auszahlung frühestens mit 65 statt bisher 62 – außer du beziehst bereits eine gesetzliche Altersrente. Sie darf nicht nach dem 70. Geburtstag beginnen.
Anbieterwechsel und Riester-Umstieg
Ab fünf Jahren Laufzeit muss der abgebende Anbieter kostenfrei wechseln lassen. Davor sind bis zu 150,00 € erlaubt. Auch zu Beginn der Auszahlungsphase ist ein Wechsel möglich.
Beim Riester-Umstieg bleibt die bisherige Förderung erhalten. Alternativ wechselst du nur ins neue Fördersystem, das musst du dem Anbieter aktiv erklären. Wechsel können Kosten verursachen.
Vorher lohnt ein Blick auf die Kündigungsfristen im Überblick. Am Rand: Die Frühstart-Rente für Kinder ist ein eigenes Gesetz. Der Bundestag beschloss es am 16. Oktober 2026, der Bundesrat muss noch zustimmen. Nach dem 18. Geburtstag kann das Kapital auf einen zertifizierten Vertrag wie das Altersvorsorgedepot übertragen werden.
Wie sieht der Anbietermarkt aus?
Angekündigte Konditionen
Alle Zahlen in der Tabelle sind angekündigt und vorläufig. Endgültig sind sie erst nach der Zertifizierung. Die Deka-Produkte sollen ab Januar 2027 in allen Sparkassen verfügbar sein.
| Anbieter | Angebot | Angekündigte Kosten (vorläufig) |
|---|---|---|
| ING | Relax-Depot (Standarddepot) | Fondskosten 0,2 % p. a., keine Depot-, Wechsel- und Ordergebühren |
| Oskar | Oskar-Altersvorsorgedepot | 0,84 % bis 1,56 % pro Jahr, während Depotführung und Transaktionen vollständig kostenlos sind. |
| Trade Republic | Depot und Sparpläne | gebührenfrei, mehrere Dutzend ETFs ohne Produktkosten |
| Union Investment | UniVorsorge Basis / Pro | 0,55 % / 1,0 % |
| DWS | Standarddepots / Comfort | Standarddepots 0,42 / 0,60 / 0,65 %, Comfort 1,13 % |
| Scalable Capital | Standarddepot | laufende ETF-Kosten max. 0,15 %, im ersten Jahr 0 %, sonst gebührenfrei |
| Smartbroker+ | Standarddepot | gebührenfrei, ETF-Kosten in den ersten 3 Jahren erstattet |
| FlatexDegiro | Standarddepot Core | gebührenfrei, danach max. 0,07 % Produktkosten |
Quelle: Stiftung Warentest, Konditionencheck vom 27. Oktober 2026, Abruf 28. Oktober 2026
Die Tabelle ist keine Empfehlung. Sie zeigt, wie weit die angekündigten Standarddepots unter dem Deckel von 1,0 Prozent liegen. Produkte ohne Deckel können teurer sein.
Staatliches Standarddepot
Ein staatliches Standarddepot mit öffentlichem Träger ist ungeklärt. Ein Start am 1. Januar 2027 gilt als eher unwahrscheinlich, weil unklar ist, welcher Träger es anbieten kann. Als Gründe gelten fehlende Verwaltungsstrukturen und europarechtliche Hürden.
Private Anbieter starten unabhängig davon.
Für wen lohnt es sich, für wen nicht?
Wann es sich lohnt
Nach der Rechnung von Finanztip lohnt sich das Altersvorsorgedepot in den allermeisten Fällen mehr als Riester. Ohne Kinder ist es in dieser Rechnung immer besser. Mit Kindern gilt als Faustregel: Ab 300,00 € Riester-Einzahlung pro Jahr, rund 25 € im Monat, ist das Depot besser.
Das beruht auf Annahmen von 6 Prozent Rendite im Depot und 2 Prozent bei Riester, jeweils vor Kosten. Das sind Rechenannahmen, keine Prognosen.
Wann Riester vorerst besser sein kann
Geringverdiener mit Kindern können im neuen Modell schlechter wegkommen. Eine Beispielrechnung von Stiftung Warentest: Ein Elternteil mit drei kleinen Kindern und Minijob zahlt bei Riester 60,00 € im Jahr ein. Dafür erhält es 1.075,00 € Förderung.
Im neuen Modell wären dafür über 300,00 € Einzahlung nötig. Bei sehr geringem Einkommen und mehreren Kindern kann ein Riester-Fondssparplan deshalb zunächst günstiger ausfallen. Den kannst du nur noch bis Ende 2026 abschließen. Ob das für dich zutrifft, klären die Verbraucherzentralen unabhängig und kostenlos.
Das Altersvorsorgedepot passt für viele, aber nicht für jeden. Rechne mit deinen Zahlen, bevor du unterschreibst. Die Anbieterkonditionen sind noch vorläufig.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Abschließen kannst du ab dem 1. Januar 2027. Die Förderung für das ganze Jahr 2027 gibt es auch noch im Dezember 2027. Die Grundzulage beträgt bis zu 540,00 € im Jahr, dazu kommen 300,00 € je Kind. Berufseinsteiger erhalten einmalig 200,00 €, wenn sie vor dem 25. Geburtstag abschließen. Er läuft weiter, es gibt keine automatische Kündigung oder Umwandlung. Ein Wechsel ist freiwillig, die bisherige Förderung bleibt dann erhalten, Kosten sind möglich. Die Effektivkosten sind auf 1,0 Prozent im Jahr gedeckelt, inklusive Fondskosten. Günstige Anbieter kündigen deutlich weniger an. Ab fünf Jahren Laufzeit muss der abgebende Anbieter kostenfrei wechseln lassen. Davor sind bis zu 150,00 € erlaubt. Nach aktuellem Stand beginnt sie frühestens mit 65 statt bisher 62, außer du beziehst bereits eine gesetzliche Altersrente. Spätestens beginnt sie mit dem 70. Geburtstag. Du wählst zwischen lebenslanger Rente und einem Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr.Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen?
Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?
Wie hoch sind die Kosten beim Standarddepot?
Kann ich den Anbieter wechseln?
Wann beginnt die Auszahlung?
Leserfrage: Hast du schon eine Vormerkung bei einem Anbieter – oder bleibst du erst einmal bei Riester? Schreib es in die Kommentare.
Recherche und Entwurf mit KI-Unterstützung, geprüft und freigegeben von Nils. So arbeitet die Redaktion · Fehler gefunden? Schreib uns

